Über Fotografie

Der populäre Trompeter Bernhard Kratzer spielt im Kloster Bronnbach auf einem Horn
Der populäre Trompeter Bernhard Kratzer spielt im Kloster Bronnbach auf einem Horn

Wie ich Fotografie verstehe

Fotografie ist für mich ein Seelenbild, eine Handschrift, Ausdruck völlig eigener Empfindung und Erinnerungsbilder, ein Spiegel meiner ganz eigenständigen Sichtweise, die Wiedergabe meines Gefühls von einem Motiv. Das lässt sich nicht mit ästhetischen Regeln eingrenzen. 

 

Lange Zeit war ein Bild in Schwarzweiß eher nicht geeignet, meine Erinnerung an ein Motiv, an eine Stimmung, einen besonderen Moment zu reflektieren, habe ich beinahe ausschließlich in Farbe fotografiert. Momentan ändert sich das etwas, erstaunlicherweise.

 

Es ist tatsächlich so, dass Farbe für mich in vielen Situationen meinem Bildgedächtnis, meiner erlebten Situation, der eigenen Erinnerung an eine Stimmung, einen Duft, vielleicht auch an damit verbundene Geräusche oder Stille, näher kommt. Trotzdem mache ich in jüngerer Zeit häufig die Erfahrung, dass ich mehr als früher, Freude daran habe, bestimmte Themen monochrom zu abstrahieren, den ruhigen und klaren Aspekten der monochromen Wiedergabe den Vorzug zu geben. Eine vernunftmäßige Erklärung dafür habe ich nicht unbedingt, es ist - wie so oft - einfach Bauchsache. 

 

Ein Grund mag aber auch sein, dass es bei meiner Fotografie in den letzten Jahren teilweise zu Themenwechseln gekommen ist, wo ich auch schon früher Schwarzweiß als eine gute Option empfunden hatte. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren sehr viel Porträt- und Künstlerfotografie gemacht, das war neu, das mag den Ausschlag für eine kleine Trendwende geben. Aber auch Themen wie „KZ Buchenwald“ oder „Die Geisterkirche von Luková“ sind natürlich per se vorzugsweise für monochrome Aufnahmen geeignet.

 

 

Wie auch immer, eines ist Fotografie in jedem Fall für mich: eine überaus sinngebende, kontemplative Auseinandersetzung mit beinahe allem was mich faszinieren kann, höchst entspannend und bereichernd. Fotografie hat die unvergleichliche Fähigkeit einen vollumfänglich dem Alltäglichen, der Gleichgültigkeit, zu entziehen und fordert gleichzeitig eine tiefe Identifikation mit der jeweiligen Motivwelt. Die Beschäftigung mit einem Thema ist weitaus dichter und intensiver als es die tagtägliche Begegnung mit unserer Umwelt, den Schönheiten und Besonderheiten unserer Umgebung, jemals zu leisten vermag. Das vermeintlich Banale kann durch das Objektiv und der damit verbundenen Nähe, seiner Durchdringung durch die verkürzte Distanz und den reduzierten Ausschnitt, zu einem überraschenden Ereignis werden. Das anscheinend längst Vertraute, Bekannte, mag hierbei eine gänzlich neue Bedeutung erhalten.

 

Wertheim, im September 2017

 

 

 

Barockbrunnen Kloster Bronnbach
Barockbrunnen Kloster Bronnbach