Über Fotografie

Fränkische Schweiz (analoges Großformat)
Fränkische Schweiz (analoges Großformat)

Wie ich Fotografie verstehe

  Ich nehme es lieber gleich vorweg, eher selten Schwarzweiß, wie auf dem Bild hier oben (ein Klick auf das Foto vergrößert die Wiedergabe). Natürlich ist mir bewusst, dass für viele die "anspruchsvolle" Fotografie erst mit Schwarzweiß beginnt, Textur, feine Tonwerte, Reduktion. Ich kenne die Argumente, glaube aber nicht, dass man "Bildempfinden" auf einen Lösungsweg reduzieren sollte. Ich habe unglaublich viele Fotografien in Schwarzweiß gesehen, die mich tief beeindrucken konnten, habe Freunde, die wunderbar monochrom fotografieren, das kann ich neidlos bewundern, bin fasziniert von Sebastiao Salgado, Ansel Adams, Edward Weston und anderen mehr und würde problemlos zustimmen, dass Portrait-Fotografie in Schwarzweiß gewinnt, ohne diese Einschränkung besonders tiefgründig erklären zu können. Und dennoch, Bilder monochrom zu wandeln ist für mich die Ausnahme, mache ich eher selten und wenn, aus einem nur schwer zu begründenden Bauchgefühl heraus. 

 

  Fotografie ist für mich ein Seelenbild, eine Handschrift, Ausdruck völlig eigener Empfindung und Erinnerungsbilder, ein Spiegel meiner ganz eigenständigen Sichtweise, die Wiedergabe meines Gefühls von einem Motiv. Das lässt sich nicht mit ästhetischen Regeln eingrenzen. Ein Bild in Schwarzweiß ist eher selten meine Erinnerung an ein Motiv, eine Stimmung, einen Moment, auch oft nicht die interpretierende oder künstlerische Umsetzung hiervon. Ich finde mich dabei meist nicht ausreichend wieder, die erwähnten seltenen Fälle ausgenommen. Mein Bildgedächtnis und -verständnis ist in den meisten Situationen eine farbige "Stimmung", vielleicht verbunden mit einem Duft, einem Geräusch oder Stille, in jedem Fall ein differenziertes Zusammenspiel vielfältigster Farbtöne, Schärfe oder Unschärfe, ein Gefüge aus Farbempfindung im Wechselspiel mit anderen Wahrnehmungen, das für mich durch die Reduktion auf Monochrom nicht selten undeutlich wird. Gleichwohl - es gibt natürlich Motive, die erst durch Schwarzweiß das Thema in eine angemessene Dimension bringen, ich denke dabei zum Beispiel an viele meiner Aufnahmen aus dem Konzentrationslager Buchenwald.

 

  Ich habe Bilder, gerade von den jüdischen Friedhöfen, die ich auf die  Grundstimmung der vorherrschenden Farben einer jeweiligen Aufnahmesituation reduziere, das ist für mich stimmig. Gelb- und Brauntöne, wie die Beziehung zwischen den Grabsteinen und dem erdigen Untergrund oder den Herbstfarben, Grünstimmungen des Laubwerks, das kann für mich eine Erinnerung an einen magischen Ort verstärken. Ich habe auch Bilder wo ich Schärfe reduziere, verkläre, das mag an Piktorialismus erinnern, warum nicht?  Hin und wieder experimentiere ich mit Entsättigung, lasse Farben nur noch andeutungsweise im Spiel. Auch die desaturierte Wiedergabe kann in dem einen oder anderen Fall eine wunderbare Interpretation einer Erinnerung sein, zumindest für mich.

 

  Eines ist Fotografie in jedem Fall für mich: eine überaus sinngebende, kontemplative Auseinandersetzung mit allem was mich faszinieren kann, höchst entspannend und bereichernd. Fotografie hat die unvergleichliche Fähigkeit einen komplett dem Alltäglichen, der Gleichgültigkeit zu entziehen und fordert gleichzeitig eine tiefe Identifikation mit der jeweiligen Motivwelt. Die Beschäftigung mit einem Thema ist weitaus dichter und intensiver als es die "normale" Begegnung mit unserer Umwelt, den Schönheiten und Besonderheiten unserer Umgebung, jemals zu leisten vermag. Das vermeintlich Banale kann durch das Objektiv und der damit verbundenen Nähe, zu einem überraschenden Ereignis werden, das anscheinend längst Vertraute, Bekannte, eine gänzlich neue Bedeutung erhalten.

 

 

Analog und Digital

Herbstliches Bronnbach im Taubertal (analoges Mittelformat)
Herbstliches Bronnbach im Taubertal (analoges Mittelformat)

  Ich komme selbst aus der analogen Tradition, etwas untypisch vom farbigen Negativ. Eingestiegen bei Mittelformatkameras, bin ich irgendwann in der "Königsdisziplin", der analogen Großformatfotografie gelandet, von diesen Erfahrungen profitiere ich noch heute

 

  Digitale Fotografie war für mich lange Zeit ein No-Go, noch vor einigen Jahren hätte ich mir einen Umstieg kaum oder gar nicht vorstellen können. Zwar hatte ich auch meine digitalen Experimente hinter mir, doch letztlich konnten mich Qualität und Erlebniswert nie so recht überzeugen. Die Digitalkamera fristete seit Jahren ein Nischendasein, lediglich akzeptiert für familiäre Aufnahmen, bei festlichen Ereignissen, oder den beruflichen Alltagsgebrauch, wo sie zweifellos schon immer erhebliche Vorteile hatte. Für die Ausübung einer Leidenschaft war sie aus meiner Sicht noch nicht reif genug. Und da es bei mir nicht weniger als bei anderen "menschelt", lässt man nur ungern und schwerfällig eine einmal getroffene Auffassung wieder los. Es gibt da in der Tat einen kategorischen Imperativ, schließlich ist oder war man ein eingeschworener Anhänger der Analogfotografie.

 

  Bei einem Sommerurlaub in 2013 begann sich das zu drehen, zweifellos hatten bestimmte Einsichten schon deutlich früher ihre "subversive" Wirkung in Gang gesetzt. Irgendwie baute sich der Wunsch auf etwas weniger umständlich fotografieren zu können, mit leichterem Gepäck und schnellerer Sicherheit über den Erfolg einer Aufnahme, was noch immer sperrte war die Frage nach der Qualität, dem Bildeindruck, nach dem was Fotografen so gerne "Anmutung" nennen. Es begann ein monatelanges Wechselspiel zwischen "Habenwollen" und Ablehnung. Ich hatte längst akzeptiert, dass Schärfe, Dynamikumfang und Farbqualität der Digitalkameras auf einem ganz anderen Niveau angekommen waren als noch vor Jahren und dennoch, Vorbehalte lösen sich nicht von heute auf morgen auf.

 

  Irgendwann im Spätherbst war dann der Punkt erreicht, eine Digitalkamera musste her und die Auseinandersetzung mit der Frage nach der richtigen Kamera begann. Gleichzeitig fängt man an seinen analogen, aber auch digitalen Freundeskreis auf den bevorstehenden Umstieg (nicht Ausstieg!) vorzubereiten. Eine überaus spannende Erfahrung, die ich hier nicht weiter ausbreiten möchte, es begannen Diskussionen die ein kleines Buch füllen könnten, nun ja... man hatte es geahnt. Das muss man aushalten können!

 

  Im Januar 2014 war die Entscheidung für die Kamera gefallen, es wurde eine Nikon D600, digitales Vollformat also. Der große Sensor sollte sicherstellen, dass man auch digital Motive sehr gut freistellen kann, vielleicht noch immer der kleine Schwachpunkt der digitalen Fotografie und gerade in meiner Art der Bildgestaltung eine gerne genutzte Technik. Inzwischen habe ich die ersten Tests hinter mir, umfangreiches Einarbeiten in die Kamera ging ihnen voraus. Für einstmals eingefleischte Analogfotografen eine nicht zu unterschätzende Hürde!

 

  Ein paar restliche Bedenken und Unsicherheiten konnte ich ganz schnell über Bord werfen. Die Bilder waren scharf, mehr als genug und aus meiner Sicht mindestens gleichauf mit analogem Mittelformat. Das mag nicht an der besseren Optik liegen, sondern daran, dass der Verarbeitungsprozess, von der Aufnahme zum fertigen Bild, hier mehr oder weniger verlustfrei abläuft. In der analogen Prozesskette habe ich immer das Problem des Qualitätsverlusts in den jeweiligen Verarbeitungsschritten, spätestens beim Scan geht Schärfe verloren, einen Trommelscanner wollte und konnte ich mir nie leisten. Das gleiche gilt für Farbe, sie ist plausibel, natürlich, gefällt sehr gut, der Umkehrprozess vom Negativ zum positiven Bild entfällt, birgt kein Risiko der Farbverschiebung.

 

  Ich bin durch den Einstieg in die Digitalfotografie nicht zum "Knipser" geworden, fotografiere nach wie vor sehr bewusst, versuche Masse zu vermeiden und mir für jedes Bild, den Ausschnitt, die Komposition, gleichermaßen Zeit zu lassen wie in der analogen Fotografie. Alle neuen Bilder, die ich seit 2014 zeige sind digital entstanden, einige ältere Bilder noch aus meiner analogen Zeit.

 

  Der Nikon D600 folgten eine Nikon D800 und seit 2016 eine Nikon D4. Drei verschiedene Zooobjektive von 14 bis 200 mm Brennweite, ein 105er Macro und ein Zeiss Apo Sonor 2/135 mm, sowie ein Sigma 2,8/300 mm APO, stehen mir für alle foto-grafischen Fälle zur Verfügung.

 

September 2016

 

 

Blühende Brombeere im Spätsommer (Nikon D4)
Blühende Brombeere im Spätsommer (Nikon D4)