Die Eulschirbenmühle

  Über sehr lange Zeit im Besitz der Gamburg, liegt die kleine Eulschirbenmühle wenige Kilometer abseits der Burg, am Fuße der Tauber und hat eine ganz eigene, sagenumwobene Geschichte:

Das Liebesnest des Grafen zu Gamburg

  Es gibt eine kleine Siedlung mit dem historischen Namen Eulschirben, ein kurzes Stück hinter Gamburg, tauberabwärts, an der Stelle wo der kleine Fluss eine starke Krümmung macht und ein wunderbares Tal durchquert. Nur wenige Häuser finden sich hier, Stallungen und eine Mühle, die allerdings ist ein bemerkenswerter Bau. Ihre geheimnisvolle Geschichte erfahren wir in der Melusinen-Sage.

 

  Sie berichtet von einem Grafen, der auf der Gamburg lebte und eine wundersame Begegnung mit einer Wasserfrau hatte. Zu damaliger Zeit war die Mühle ein alter und verfallener Bau, das schöne Fabelwesen dort als Magd zu Diensten. Mit List und Tücke, indem er ihre Kleidung entwand als sie im vorbeiströmenden Fluss badete, gewann der Graf Herrschaft über sie und so wurde die Melusine zu seiner Geliebten. Er baute ihr ein kleines Schoss am Tauberufer, gleich neben der alten Mühle und verbrachte dort die schönsten Stunden mit ihr, während die Gräfin im Schloss zu Gamburg voller Leid auf ihren Gatten wartete.

 

  Das ruchlose Treiben blieb nicht unbemerkt, der Müller lief zum Abt des Klosters Bronnbach, um sich angesichts des ehrenlosen Lebenswandels seines Grafen Rat einzuholen. Der gab ihm ein Papier, das mit geweihtem Wachs verschlossen war und empfahl ihm es auf der Treppe abzulegen, die vom Liebesschloss zum Fluss führte. Als die schöne Melusine einmal wieder ein Bad in der Tauber nehmen wollte, entdeckte sie das heilige Siegel und verschwand für immer in den Fluten. Der Graf zerbrach an diesem Verlust und er verstarb nur wenig später an Herzeleid. Das Schloss jedoch wurde zur heutigen Eulschirbenmühle.

 

  Tatsächlich gibt es erste Erwähnungen der Eulschirbenmühle als molendinum Ulscirben bereits 1245. 1320 gelangte sie vom Besitz des Klosters Bronnbach zu den Rosenbergs, seit dem 16. Jahrhundert jeweils in die Hand der Eigentümer der Burg Gamburg. Heute befindet sie sich in Privatbesitz.

 

  Errichtet wurde das schlossartige Hauptgebäude im manieristischen Stil, der deutschen Variante der Renaissance, vermutlich zwischen 1592 und 1595. Die Wappen der Erbauer, Kronenberg und Brendel, über der Eingangstür, finden sich übrigens auch auf der Gamburg wieder. Unauffällig von der Straßenseite, ist dagegen das rückseitige Gebäude von faszinierender Schönheit und überraschenden architektonischen Details. Aufwändige Schweifgiebel, zwei Zwerchhäuser, Erker mit Welscher Haube, Voluten und Ornamente, aber auch die konsequente Symmetrie, lassen auf herrschaftlichen Anspruch schließen und geben dem Gebäude eine herausragende Bedeutung in der fränkischen Baukunst (Paczkowski). Der Architekt selbst ist bis heute unbekannt geblieben.

 

  Letztmals wurde das Mühlengebäude zwischen 1956 und 1958 renoviert, heute droht der Verfall und man kann nur hoffen, dass der Wunsch und die Bemühungen des Bürgervereins Pro Gamburg und des Wertheimer Museumsdirektors Jörg Paczkowski, das „verborgene Juwel“ zu erhalten und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, von baldigem Erfolg gekrönt wird.